Monthly Archives: November 2014

Neuer Tag, neue Herausforderungen

Kurzversion: Sonne, feststecken, einkaufen, Holz sammeln, baden, Hühnersuppe, Herd, Kettensäge

Heute ist wieder schönes Wetter, nachdem es die ganze Nacht so toll aufs Dach geplätschert hat, dass Rosa, die Regen ja gar nicht gewohnt ist, nicht schlafen konnte. Es war tatsächlich recht laut, mir macht ein monotones Geräusch aber nichts aus und ich habe wie ein Stein geschlafen. Die Delfine sind auch wieder kurz da, und ich laufe ans Meer um ein besseres Bild zu bekommen, leider nicht wirklich erfolgreich. Bis ich unten bin sind sie schon wieder weitergezogen und ein gutes Bild kommt nicht zustande.

Heut wollen wir noch einen ruhigen Tag einlegen, damit sich auch Roman, Daniela und meine Großeltern erholen können, die gestern ja den ganzen Tag unterwegs waren. Also steht nur einkaufen auf dem Plan, und Feuerholz sammeln, da es doch recht kühl ist, und wir mit den Vorräten vom Haus vielleicht noch heute und morgen hinkommen. Am Strand liegt viel Schwemmholz rum, das aber zum Großteil noch vom Regen nass ist.

Dann wollen wir los zum Einkaufen. Beim Wenden jedoch sinkt der Pick-Up mit Roman mit den Vorderrädern im Sand ein, und sitzt fest. Wir versuchen zu schaufeln, Bretter unterzulegen, alles, doch das Auto hat nur Hinterrad-Antrieb, und auf der Achse ist nicht genug Gewicht um den schweren Motor vorne rauszuziehen, nicht einmal, als wir uns alle auf die Ladefläche setzen. Wir versuchen es also mit vorne anschieben, auch ohne Erfolg. Zum Glück haben wir vorhin am Strand ein Seil gefunden, das wir jetzt zwischen dem Pick-Up und dem anderen Auto spannen. Opa meint, alles besser zu wissen, und sagt, wie es gemacht werden muss und nicht anders. Auch das ist erstmal nicht von Erfolg gekrönt. Erst, als sich Mama und Roman in den zwei Autos absprechen, klappt es. Was lernen wir daraus: Wenn ein Auto feststeckt, und mit einem anderen rausgezogen werden soll, muss die Leine dazwischen erstmal Locker sein. In dem Moment nämlich, in dem beide Gas geben und es zusätzlich vom Spannen der Leine einen Ruck gibt, wird die Haftreibungskraft überwunden und die Autos kommen ins Rollen. Physikalisch hätte ich da eigentlich draufkommen sollen. Aber naja, Physik in der realen Anwendung ist halt doch nochmal was anderes.

In der Stadt selbst steigen Daniela und Rosa aus, da sie nochmal zur Bank müssen. Wir restlichen fahren weiter zum Einkaufen. Wir kommen zu einem riesigen Laden, der an die großen Märkte in Frankreich erinnert, hier gibt es alles. Nur wo?

Blöderweise haben wir zum einen den Einkaufszettel vergessen, wir versuchen uns so gut wie möglich zu erinnern. Wir kaufen aber extra einen Kuchen, damit wir morgen zum Geburtstag meines Onkels Jojo auch mit Kuchen essen können. Er ist zwar in Deutschland, aber ein guter Grund für Kuchen ist das allemal. Ansonsten decken wir uns mit Lebensmitteln ein, damit es bis Montag reicht, da wir ja auch endlich mal die Gegend sehen wollen.

Kurz nachdem wir zurück sind, fangen wir an Holz zu sammeln. Die Flut hat noch einiges mehr an angeschwemmt, und die Sonne hat das vorhandene schon recht gut getrocknet. Wir finden einige gute Stücke, viele sind jedoch zu groß, so dass wir eine Säge bräuchten. Wir haben aber nur eine Axt unter der Veranda gefunden beim restlichen Feuerholz-Vorrat, die dafür aber nicht sonderlich geeignet ist. Mal schauen was wir damit anfangen, wir nehmen die meisten trotzdem erstmal mit. Danach steige ich in meinen Badeanzug, da ich auch mal etwas tiefer ins Wasser möchte. Vielleicht nicht unbedingt schwimmen, aber ich will doch mal tiefer als bis zum Knöchel ins Nass. Nachher bin ich bis zum Po durchnässt und durchfroren, aber die Sonne wärmt mich wieder und auch die Steine sind angenehm aufgeheizt, so dass ich nur im Wind friere.

Ebbe

Etwas später, ich bin schon wieder umgezogen, kommt die Vermieterin vorbei um das Geld zu holen und nachzuschauen, ob alles OK ist. Ich erfahre, dass sie Ines heißt. Sie ist wirklich um uns besorgt, eine total liebe Frau. Opa hat inzwischen festgestellt, dass der Gasherd nicht richtig tut, sobald mehr als eine Platte an ist. Sonst haben wir aber kein Beschwerden. Wir wollen sonst nur noch wissen, wie wir am besten an Feuerholz kommen. Ines lacht und meint, sie bringt am Samstag welches, wenn das nicht reicht sollen wir zu ihrem Wochenend-Haus gehen, dass nur ein zweihundert Meter weiter den Hang hoch ist, und uns da welches nehmen. Auch unser Problem mit dem Herd sieht sie sich an, findet jedoch keine Lösung. Denn die Gasflasche ist fühlbar voll, genauso wie die andere fürs heiße Wasser. Sie tauscht beide sogar gegeneinander aus, aber es verbessert sich nicht. Sie verspricht, mit ihrem Mann zu reden, vielleicht hat er eine Idee was los ist. Und da es aktuell auch nicht untragbar ist, wollen sie spätestens Samstag eine Lösung haben und wieder kommen.

Allerdings ist sie schon etwa zwei Stunden später wieder da, und wir lernen auch ihren Mann kennen, den sie mitgebracht hat. Es ist lustig, wie beide auch optisch gut zusammenpassen, beide haben viele Lachfalten und freundliche Gesichter. Auch Raúl spricht gutes Englisch, so dass wir uns unterhalten können. Sie haben Austausch für den Schlauch zwischen Herd und Gasflasche mitgebracht, und eine Kettensäge für unser gesammeltes Holz. Wir sind begeistert, dass sie so schnell handeln und sich um uns kümmern. Zum einen geht der Herd nach ein bisschen Rumgewerkel wieder (der alte Schlauch war abgeknickt), und auch die Hälfte des Schwemmholzes sägt Raúl uns klein, bevor sich leider die Kette verhakt und nichts weiter geht. Er lacht und sagt, Samstag ist sie repariert. Es sei halt nur eine Schwedische, und keine Deutsche, da wäre das nicht passiert. Er erzählt uns auch von den deutschen, die hier in Südchile wohnen, und die alle kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges hier eingewandert sind. Die haben damals Land und Werkzeug und Geld bekommen, und viele dieser Familien sind jetzt reich. Einer der 15 reichtsten Männer ist wohl ein hier nach Südchile eingewanderter Deutscher, und lebt hier auch noch. Und auch Honnecker ist hier in Chile gestorben, seine Frau soll wohl noch leben. Außerdem berichtet er uns von der Flora und Fauna, von Nordchile und allem möglichen. Rundum nette Menschen einfach.

Als Ines und Raúl uns für heute verlassen, ist es schon kurz nach 8. Wir rufen noch eben Jojo an, um ihm zu gratulieren, allerdings ist das wenige Geld das noch auf Romans chilenische Handykarte geladen war nach einer Minute zuende, und wir werden mittem im Gespräch unterbrochen. Aber immerhin, gesungen haben wir ihm alle zusammen.

Der Tag klingt am prasselnden Kamin aus, mit ein bisschen Knabberzeug, Kreuzworträtseln, Sudokus, mit mir am Laptop. Mal schauen, was morgen für Abenteuer auf uns warten. Wobei ich auch ehrlich sagen muss: Ein Tag ohne mittlere bis große Katastrophe wäre mir auch mal recht.

Frühstück mit Delfinen

Kurzversion: Delfine, spanisch Lernen mit Rosa, Loco,

Der nächste Morgen bringt leider Regen, der auch nicht für lange fern bleiben will. Als ich jedoch zum Frühstück runterkomme, werde ich mit Aufregung begrüßt. Delphine schwimmen im Meer direkt vor unserem Fenster, keine 50 Meter von uns weg. Wir wissen nicht, was es für welche sind, aber Opa hat sie schon morgends auf einem Spaziergang gesehen und sagt, sie haben eine lange Nase, also keine Schweinswale, und einen weißen Streifen am Rücken. Besonders groß scheinen sie trotzdem nicht zu sein, ich schätze höchstens zwei Meter Länge. Als ich 9 war hätte ich bestimmt gewusst, welcher das ist. Aber heute nicht mehr, meine Interessen haben sich da verschoben.

Roman und Daniela haben das schlafzimmer mit Meerblick, sind aber noch nicht unten. Ich klopfe vorsichtig, wer weiß womit die noch beschäftigt sind. Aber ich werde mit einem müden “Ja?” begrüßt, und trete ein. Sie haben die Delfine noch nicht bemerkt, und auch bei den beiden ist die Aufregung groß. Hat sich glaube ich gelohnt und ich werde nicht für mein Eindringen bestraft. Ich bin übrigens so perplex, dass ich vergesse, Bilder zu machen.

Nach dem Frühstück gehen Roman und Daniela sich um ein Ersatz-Auto kümmern und setzen Oma und Opa in der Stadt ab, damit die sich nicht langweilen. Rosa, Mama und ich bleiben daheim. Rosa bereitet eine chilenische Gemüsesuppe vor, Mama schreibt Tagebuch und ich meinen Blog, ich muss noch fast den kompletten Santiago-Aufenthalt nachholen. Leider gibt es hier kein Internet, so dass ich die erst wieder irgendwo in der Zivilisation hochladen kann. Travel&Surf Pässe machen auch keinen Sinn, da die Datenmengen nicht reichen, die Bilder hochzuladen.

Und Mittags sind die Delfine auch wieder da, dieses Mal viel näher, denn es hat gerade erst angefangen zu ebben. Jetzt mache ich auch Bilder, sie zeigen aber nur die Rückenflossen. Vielleicht jagen sie Muscheln oder Meerschnecken, die sich nicht gut genug festgehalten haben, denn später beim Spazieren am Strand finden wir sehr viele zerbrochene Muschelschalen, mehr als ich irgendwo je gesehen habe. Oder es gibt viele Fische, was meinen Opa freuen wird. Er will hier in Chile ja auch mal angeln.

Delfine

Haus

Die restliche Zeit verbringen wir zusammen mit Rosa und einem Wörterbuch, und lernen was was auf Spanisch heißt. Rosa schreibt sich auf, was die Worte auf Deutsch heißen, und versucht sie nachzusprechen. Manches ist schwer, manches kann sie auf Anhieb gut. Ich will gar nicht wissen wie mein spanisch für ihre Ohren klingt. Aber wir lachen, am allermeisten über die Übersetzung von Cabriolet, die laut Wörterbuch “descapotable” heißt, ich lese aber decapitable, also köpfbar. Bis wir herausfinden, was wir meinen, lachen wir alle und es macht nochmal mehr Spaß.

Erst abends nach 6 sind die anderen wieder da, dieses Mal mit einem Pick-Up. Was ich jetzt erst erfahre, ist, dass ursprünglich die beiden ersten Autos von einem Privat-Mann gemietet sein sollten. Allerdings ist eines der beiden Autos einen Tag vor unserer Ankunft kaputt gegangen, und Roman und Daniela haben bei einer Autovermietung das zweite Auto gemietet. Das war auch das, das gestern direkt kaputt gegangen ist. Die Autovermietung wollte den beiden ein anderes Auto andrehen, das natürlich teurer gewesen wäre. Aber der Privat-Vermieter des anderen Autos, das ja noch geht, hat seit heute noch einen Pick-Up, der zwar auch ein bisschen mehr kostet, aber nicht so viel wie die Alternativ-Autos der Vermietung. Ich hoffe, ich darf auch mal fahren, einen Pick-Up wollte ich eh schon immer mal.

Da jetzt außerdem wieder Wasser-Tiefststand ist, gehen wir nochmal alle zusammen raus und steigen sogar barfuß ins Wasser. Außerdem hat Daniela einen Loco gefunden, eine Wasserschnecke mit Muschelhaus. Die kann man wohl auch essen, aber glücklicherweise bringt Daniela sie wieder zurück ins Wasser. Ich bin einfach nicht dafür gemacht, Tiere zu essen, die ich lebendig gekannt habe, schon gar nicht Schneckenmuscheln.

Loco

Es gibt übrigens noch weitere “Haustiere”: Den Hund der Vermieterin kommt schon früh morgens und legt sich an seinen Lieblingsplatz im Sand. Und es gibt eine Art Falke, von dem wir nicht wissen wie genau er heißt, der sich aber brennend dafür zu interessieren scheint, was hier für Leute plötzlich wohnen. Er inspiziert aufs genaueste das Auto und guckt vom Veranda-Geländer aus und – nachdem wir ihn da entdeckt haben – auch von seinem Ast neben dem Küchenfenster bei uns rein. Vielleicht wird der hier ab und zu gefüttert. Außerdem habe ich mit meiner Handy-Kamera in Verbindung mit einem Fernglas experimentiert. Opfer meiner Beobachtungen war eine der vielen Möven. Das beste Ergebis war leider nichts besonderes, aber hier ist es:

Falke

Möve

Gute Gesellschaft haben wir hier auf jeden Fall.

Ankunft im Süden

Kurzversion: früh aufstehen, Flughafen, Briefkastensuche, Kontrolle, Pulli verloren, vorne im Flieger, nette Stewardess, salziges Studentenfutter, Autos, Häuschen, Kühe.

Dienstag: Heute steht der Flug nach Puerto Montt an: Das ist ein paar hundert Kilometer südlich von Santiago und direkt an der Pazifik-Küste. Unser Haus ist wohl etwas außerhalb und direkt am Strand, mehr weiß ich bis dato noch nicht.

Wir lassen uns vom gleichen Taxifahrer, der uns auch schon am Samstag vom Flughafen in Hotel gebracht hat, wieder zum Flughafen bringen. Er hat Daniela seine Telefonnummer da gelassen, und wir kommen gern auf das Angebot zurück. Der Flughafen in Santiago ist leider nicht sehr spannend, auch wenn es ein paar echt hübsche Souvenir-Shops gibt mit tollen Sachen. Es liegt sogar Schokolade zum Probieren aus, einmal mit Kokos-Füllung und einmal mit Orange. Es gibt tollen Schmuck und auch schöne Bildbände über Chile, tolle Tassen und so weiter. Aber natürlich nichts für jetzt, schauen muss reichen.

Da wir natürlich viel zu früh da sind, langweilen wir uns recht schnell. Zum Glück fällt mir ein, dass ich ja noch Postkarten mit mir rumschleppe, die zwar schon fertig geschrieben und mit Briefmarke versehen sind, aber für die wir bisher keinen Briefkasten gefunden haben. Daniela fragt einen Polizisten, ob man seine Post hier irgendwo abgeben kann, und tatsächlich, genau das soll es am anderen Ende des Flughafens geben, direkt neben einer Apotheke. Mama und ich laufen los, wir wissen wo die Apotheke ist. Da finden wir jedoch nur einen Schalter an dem Leute anstehen zum Geld holen. Soll das die Post sein? Jedenfalls ist hier kein Briefkasten. Komisch. Polizisten lügen doch etwa nicht? Vielleicht liegt es an den ganzen Baustellen, da viele kleine Geschäfte hier gerade neu entstehen. Als wir Daniela wieder treffen, sagt sie uns, dass man seine Briefe da aber tatsächlich direkt am Schalter abgibt. Also kein Briefkasten. Als wir wieder da aufkreuzen, ist die Schlange weg und die zwei Frauen, die in dem kleinen Kabuff sitzen, nehmen die Postkarten auch lächelnd entgegen. Mal schauen wie lange die brauchen.

Kurz darauf gehen wir auch durch die Gepäckkontrolle zum Gate. Dort warten wir wieder etwas, aber hier kann man wenigstens den Flugzeugen beim Starten und Landen zuschauen und es gibt wieder ein paar kleine Läden. Wir essen die vom Frühstück übrig gebliebenen Sachen, zwei gekochte Eier, Cracker (noch ausm Flugzeug), Brot, Äpfel. Wir wissen ja nicht, ob es auf dem nur 2 Stunden langen Flug überhaupt was zu essen gibt, und es ist auch schon kurz nach 2.

Als dann unser Flieger endlich da steht, rennen alle zum Einlass. Da wir die vorderen drei Reihen links haben, lassen wir uns Zeit. Als wir dann endlich losgehen, fällt mir ein, dass ich ja meine Kopfhöhrer rausholen könnte, falls es wieder ein Bordunterhaltungssystem gibt. Ich kruschtele in meinem Rucksack rum, die sind natürlich ganz unten. Als ich sie gefunden und alles andere wieder eingepackt habe, stehen die anderen schon fast vorne dran am Einlass, ich beeile mich. Erst im Flugzeug, auf ca. 10.000 Meter Höhe, fällt mir auf, dass ich meinen Lieblings-Pullover, den ich eigentlich umgeschnürt hatte, nicht mehr habe. Der liegt wahrscheinlich noch am Gate. So ein Mist. Eigentlich ist der mir ja schon zu groß, aber ich wollte ihn nach dem Urlaub Mama mitgeben. Der war wirklich schön und kuschlig weich, Schwarz mit einem großen weißen Herz vorne drauf.

Naja, weiter gehts. Oben in der Luft wird tatsächlich ein Snack serviert, man kann sich zwei von vier zur Auswahl stehenden aussuchen, dazu Kaffee und Saft oder Wasser. Es gibt eine salzige Nuss-/Früchtemischung, Riegel mit mediterranen Gewürzen aus Mürbteig, einen Becher Obst und Karamell-Kuchen. Mama und ich sitzen nebeneinander und so können wir von allen vieren probieren, und alles ist lecker.

Angekommen in Puerto Montt warten wir darauf, dass unsere Autos gebracht werden. Es sollen zwei werden, damit wir auch mal verschiedene Sachen machen können. Nach ca. einer Stunde warten sind sie auch beide da, zwei alte Chevrolets ohne PS. Egal, wir müssen ja nicht wettfahren oder bergsteigen (denke ich zu diesem Zeitpunkt noch). Erst einmal wird vollgetankt, denn hier kriegt man die Autos nicht wie bei uns voll startklar für große Touren. Dann geht es los. Die Fahrt erweckt in mir leider schlimme Befürchtungen, denn viele der Hütten hier – anders kann man die Wohnstätten nicht nennen – haben durchhängende Dächer und sehen sehr baufällig und heruntergekommen aus.

Die Wegbeschreibung zu dem Dorf etwas außerhalb ist auch recht dürftig, und also wir nicht mehr weiter wissen, ruft Daniela den Vermieter an. Der holt uns ab, und wir stehen am Straßenrand und warten. Opa geht spazieren und findet ein leeres Vogelei.

Vogelei

Sonst passiert nicht viel spannendes. Immerhin gibt es hier mehr Fauna als in Santiago, das hatte ich ein wenig vermisst. Als der Vermieter da ist, fährt er voraus, irgendwann biegen wir dann auf einen Feldweg ab. Überall Schlaglöcher, und meine Hoffnungen auf ein gerades Dach und fließend Wasser schrumpfen. Irgendwann fahren wir sogar ab vom Weg mitten über eine grüne Wiese, auf der man kaum noch alte Reifenspuren erkennen kann. 20 Meter später sehen wir es.

Eine wunderschöne kleine Holzhütte, mit geradem Dach. Ein wenig erhöht auf Stelzen gebaut, aber hübsch anzusehen. Die Vermieterin wartet schon auf uns und hat die letzten Vorbereitungen getroffen, wir sind die ersten Gäste der Saison. Sie kann sogar sehr gut Englisch, nur ein wenig eingerostet. Und sie hat einen Hund, der schon sehr alt ist, nichts tut, und wir sollen uns nicht wundern, er liegt hier gerne vor dem Haus im Sand. Rocky heißt er und interessiert sich für uns, man sieht aber sofort, dass ihn fast jede Bewegung schmerzt, sogar das Schwanzwedeln wird auf ein Minimum beschränkt.

Das Haus am Strand

Rocky

Wir werden durchs Haus geführt, es gibt zwei Doppelbett-Zimmer, ein Zweibett-Zimmer und ein Zimmer mit Einzelbett. Ein achtes Bett ist noch auseinander gebaut, kann aber aufgestellt werden. Unten gibt es einen Holzofen der alles aufwärmt. Die Einrichtung ist rustikal und sieht gebraucht aus, aber die Qualität ist gut. Später erfahre ich, dass die Hausbesitzer hier selbst einmal gelebt haben, jetzt aber in der Stadt selbst ihren Hauptwohnsitz haben. Es gibt zwei große Panorama-Fenster, eines unten im Wohnzimmer, und eines oben in einem der Doppelbett-Zimmer. Der Blick ist wunderbar. Und man hört immer das Meeresrauschen. Es ist nur etwas kühl, die Fenster etwas zugig. Aber verglichen mit meinen Horrorvorstellungen ist es ein Traum. Und würde ich das ganze geschenkt bekommen, würde ichs auch sofort nehmen. Es gibt sogar zwei Badezimmer, so dass wir keinen Plan erstellen müssen, wer wann wielange aufs Klo darf.

Panoramablick

Da es schon spät ist, fahren Roman, Daniela, Rosa und Opa direkt einkaufen, der nächste Laden ist nämlich 20km entfernt und macht in einer Dreiviertelstunde zu. Und wir wollen ja Abendessen igendwann. Oma, Mama und ich bleiben da und verteilen die Zimmer und heizen den Ofen und ruhen aus. Als es dunkel ist, fängt es vor der Tür plötzlich zu Muhen. Wir stürzen zum Fenster, und im Schein der Lichter drinnen können wir grade noch eine kleine Herde Ochsen ausmachen, die sich interessiert um das verbliebene Auto scharen und dann den Strand weiterlaufen. Ich bekomme ein paar Bilder hin, das glaubt mir doch sonst keiner. Kühe am Strand.

Rindviecher

Kurz danach sind die anderen zurück, es gibt ein Vesper. Nur geht bei einem der Autos die Tür nicht mehr zu, bei der Ruckelfahrt hierher hat sich der Schließmechanismus verklemmt oder sonstwas. Jedenfalls sitzt der Haken, der die Tür zu hält, fest und lässt sich nicht mehr bewegen. Damit keine Kühe einsteigen und es nicht reinregnet, stellen wir notdürftig einen Holzstuhl davor.

Der restliche Abend ist etwas davon getrübt, dass es ein Missverständnis mit Opa gibt und wir gestritten haben. Aber ich denke nichts, was sich nicht ausbügeln lässt.

Wenigstens sind die Betten warm und bequem, meines knarrt ein bisschen, aber wir schlafen alle gut und erholsam.